Design Thinking und Designbegriff

Kann jeder Design denken?

Design Thinking ist die Methode, wenn es darum geht, Innovation zu betreiben. Sie beruht auf Designstrategien, die sich im Produktdesign schon lange bewährt haben. Durch die Arbeit von IDEO wurden sie unter dem Claim, Design zu denken, erweitert und übertragbar gemacht. Viele große Wirtschaftsunternehmen setzen mittlerweile darauf, wenn neue Produkte, Dienstleistungen und Organisationsformen entwickelt werden sollen. Interdisziplinäre Teams, Ideenvielfalt und planvolles Vorgehen basierend auf den Produktentwicklungsphasen Analyse, Konzeption, Entwurf, Ausarbeitung führen erfahrungsgemäß oft zur gewünschten Innovation. Warum also kann Design nicht auch außerhalb der Wirtschaft und von anderen Köpfen gedacht werden?

Die Leistung von IDEO besteht unter anderem darin, das Wissen um die Phasen des Designprozesses in konkrete Handlungsanweisungen zu überführen. Bereits Gerhard Heufler gibt in seinem 1987 erschienen Buch „Podukt-Design …von der Idee zur Serienreife“ Empfehlungen zum Vorgehen in jeder Designphase ab. IDEO jedoch schlüsselt einzelne Empfehlungen wiederum in mehrere praktische Anleitungen auf. So heißt es im „Human Centered Design Toolkit“ (IDEO, 2011, S. 92) unter Step 2 – Share Stories:

„Step 1. Gather the design team together in a room with plenty of wall space. Optimally, the team should be sitting in a circle. [. . .]“

Die detaillierten Leitfäden sind auch ohne Vorkenntnisse sehr gut nachvollziehbar und können auf verschiedenste Problemstellungen angewandt werden. Dadurch wächst ihr potentieller Anwendungs- und Anwenderbereich weit über den Designsektor hinaus. Damit einher geht zudem eine Öffnung des Designbegriffes. Nach der Erkenntnis, dass nicht nur Produkte im klassischen Sinn, sondern auch weniger greifbare Dinge wie Dienstleistungen und Interaktionsformen designt werden, schließt sich eine weitere an: In alltäglichen Situationen, überall dort, wo Strukturen bewusst etabliert werden, wo Lösungen für grundsätzliche Problemstellungen gefunden werden, findet Design statt. Dies spiegelt sich auch in einem weiteren Buch von IDEO wieder. In „Design Thinking for Educators“ wird ein Leitfaden zur Anwendung der Methode im Bereich der Schulentwicklung geliefert. Tatsächlich kann im Titel statt „Educators“ nahezu jeder beliebige Beruf eingesetzt werden, ohne dass der Text an Gültigkeit verliert.

Nach diesem Verständnis ist Design nicht ausschließlich das Handwerk gelernter Designer, sondern wird naturgemäß von der Allgemeinheit praktiziert. So hat man auch die Wahl, ob man ins Restaurant geht oder selbst kocht, einen Maler beauftragt oder selbst zum Pinsel greift, oder eine Infektion selbst auskuriert oder einen Arzt zurate zieht. In vielen Fällen kann man sich selbst helfen. Vor allem für Schulen und soziale Einrichtungen ist Design selbst zu denken eine Chance, aus eigener Kraft eine Entwicklung anzustoßen. Doch mindestens ebenso häufig ist es von großem Vorteil, wenn man auf einen Koch, Maler, Arzt oder eben Designer zurückgreifen kann, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

 

http://www.designthinkingforeducators.com

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